Auf den Spuren Sebastian Kneipps

Am Mittwoch, 25. Mai 2011 marschierte unsere Klasse 4c um 8.15 Uhr zusammen mit Frau Bechteler und Praktikantin Laura bei herrlichem Wetter los in Richtung Günztal.
Bald gelangten wir zu einem Denkmal, dessen Inschrift uns verriet, dass wir uns auf dem Kirchweg Kneipps befanden, den er jeden Sonntag zu Fuß hin- und zurückging, um in der Basilika zu Ottobeuren den Gottesdienst zu besuchen. Außerdem ist vermerkt, dass Kneipp am 17. Mai 1821, also vor 190 Jahren, in Stephansried geboren, am 18. Mai in der Pfarrkirche Ottobeuren (erst später wurde sie Basilika)getauft wurde und dort am 24. August 1852 seine Primiz feierte. Nachdem wir mittels einer Brücke die Günz überquert hatten, tobten wir uns bei einer Mega-Heuschlacht aus. Anschließend forderte Frau Bechteler uns auf, einen Kreis zu bilden und die Augen zu schließen, um \'ganz84 Ohr" zu sein. Wir hörten unzählige Vogelstimmen an dem ansonsten ganz stillen Ort. Im Rahmen einer Meditation priesen wir unseren Schöpfer und dankten ihm, dass wir in einer so schönen Umgebung leben dürfen.
Nun ging´s weiter auf Sebastians Kirchweg hinauf nach Eggisried, wo wir bei einem Bauernhof junge Geißlein streichelten. Dann schritten wir weiter bergauf zu einem alten Hof mit einem Wegweiser, der nach links zeigte. Klosterwald" und Stephansried" stand darauf. Wir bogen in einen mit hohen Bäumen gesäumten Feldweg ein, der in einen Buchenwald mündete. Schließlich erreichten wir Klosterwald. Hier legten wir unsere erste Rast ein. Es gab Ziegen, Esel und Hühner. Weil unsere Lehrerin mehrere Esel zusammen fotografieren und den Maschendraht nicht vor der Kamera haben wollte, hielt sie diese mit gestrecktem Arm über den Zaun. Plötzlich schrie sie laut auf: Sie hatte nicht bemerkt, dass der Zaun geladen war und sie einen Stromschlag abbekommen hatte. Zwischenzeitlich war Simon zu uns gestoßen, der wegen einer Verletzung am Bein von seiner Mama bis Klosterwald chauffiert worden war und somit einen erheblich kürzeren Wanderweg zu meistern hatte.
Auf einem Pfad näherten wir uns allmählich dem Weiler Stephansried. Im Unterholz erblickten wir ein Reh, das schnell das Weite suchte. Als wir aus dem Wald traten, versammelte uns Frau Bechteler um sich und erzählte: \'84 Am gegenüber liegenden Hang habt ihr das Ziel unserer Wanderung vor Augen. Hier unten machte der ´ Bastl´ seine erste Erfahrung mit der Heilkraft des Wassers." Nun hatten auch wir das Bächlein entdeckt, an dem er als ´Hütebua´ die beinkranke Kuh beobachtet hatte. Wir fühlten uns um ca. 180 Jahre zurückversetzt.
In Stephansried angekommen, besuchten wir zuerst die Kapelle, in der Sebastian gebetet hatte. Wir kamen jedoch nur in den Vorraum, weil die eigentliche Kapelle durch ein Gitter abgesperrt war. Ein letztes Mal ging´s bergauf, bis wir schließlich unser Ziel erreicht hatten: Das Kneipp-Denkmal, auf dessen Platz einst das Geburtshaus Sebastian Kneipps stand. Weil sein 190. Geburtstag erst eine Woche zurück lag, war der Platz um das Denkmal herum mit wunderschönen Blumen geschmückt.
Gemeinsam ließen wir das, was wir im HSU-Unterricht der vergangenen Wochen erarbeitet und erfahren hatten, Revue passieren. Sebastian Kneipp selbst hat die armseligen Verhältnisse einer Weberfamilie mit sechs Kindern beschrieben: Mit elf Jahren musste ich täglich fünf Ellen Leinwand weben, wozu ich von morgens früh bis abends brauchte\'85 In mir war kein Drang für die Weberei, sondern das Verlangen, geistlich zu werden." Die Mutter starb, das Elternhaus brannte ab, und immer wurde sein größter Wunsch, zu studieren, enttäuscht. Wenn Sie unser Herrgott hätte studieren lassen wollen, hätte er Ihnen auch Geld gegeben", hat er zu hören bekommen. In Kaplan Merkle in Grönenbach, später Professor in Dillingen, fand der junge Kneipp schließlich einen Wegbegleiter zum Priesterberuf. Während seines Studiums erkrankte er schwer. Das Büchlein von Siegemund Hahn \'84Über die Kraft und Wirkung des Wassers" führte ihn zur Wassertherapie am eigenen Leibe. Dreimal in der Woche nahm er Halbbäder in der eiskalten Donau und konnte so sein Studium zum Abschluss bringen.

Nach einer ausgiebigen Brotzeit rannten wir hinab zur Tretanlage mit Armbecken, um Beine und Arme abzukühlen . Markus und Joachim stellten mit 110 Runden den Rekord auf. Gegenseitig spritzten wir uns nass. Einige von uns hatten in der Zwischenzeit oberhalb der Tretanlage eine nette Frau kennen gelernt, die nicht nur Pferde, sondern auch Gänse, Hühner mit Küken, Schweine, Katzen und einen Hund hält. Sie lud uns ein in ihren Stall, um die Tiere zu streicheln. Ihr dürft jederzeit wieder kommen", sagte sie zum Abschied. Frau Bechteler erhielt eine Visitenkarte. Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass wir uns beeilen mussten.
In einem sehr flotten Fußmarsch liefen wir über die Schickling-Stiftung zurück zur Schule, so dass alle auswärtigen Schüler gerade noch rechtzeitig in ihren Bus steigen konnten. Ein erlebnisreicher und interessanter Ausflug war zu Ende.
Autoren: Alle am Ausflug beteiligten Schüler, deren Niederschriften (in selbst gewählten 2-er oder 3-er-Gruppen) in obigen Text eingearbeitet wurden.
PS: Einige Kinder der Klasse haben diesen Ausflug in der Zwischenzeit auch mit ihren Familien unternommen und sich als kundige Wanderführer erwiesen.

Inge Bechteler mit ihrer Klasse 4c
Fotos